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Musik gegen das Vergessen: Graziano Zampolin

Leben mit Demenz

„Pflege- und Betreuungskräfte bilden das Rückgrat der Gesellschaft. Sie sind in Ihrer Tätigkeit hohen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt.“

Herr Zampolin, Sie sind seit März diesen Jahres für die Personalentwicklung bei tegeler Pflege & Gesundheit verantwortlich. Können Sie einmal kurz erklären, was genau Ihre Aufgabe ist und welche Ziele Sie sich gesetzt haben?
Personalentwicklung ist ein sehr weitläufiger Begriff. Ich verbinde damit drei Hauptaufgaben. Teamentwicklung, Förderung der Ressourcen durch Fort- und Weiterbildung sowie die Mitarbeitermotivation. Pflege- und Betreuungskräfte bilden das Rückgrat der Gesellschaft. Sie sind in Ihrer Tätigkeit hohen psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt. Ziel der Personalentwicklung muss es sein, die Mitarbeiter*innen längerfristig an unser Unternehmen zu binden. Sie sollen in Entwicklungsprozesse mit einbezogen werden, um sich mit dem Unternehmen identifizieren zu können. Sie waren vor Ihrer beruflichen Tätigkeit mehrere Jahrzehnte in der Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften tätig.

Können Sie bestimmte Erfahrungen und Erkenntnisse aus dieser Tätigkeit auch in Ihrer aktuellen Position verwenden?
Unbedingt. Während meiner Tätigkeit als Medizinpädagoge habe ich mehr als 1.000 Pflegekräfte aus ganz Niedersachsen fort- und weitergebildet. Zwischen 2010 und 2012 haben wir mehrere hundert Teilnehmer*innen auf anonymer Basis nach Ihrer Betriebszufriedenheit befragt. Dabei kristallisierte sich heraus, dass sich die allermeisten Mitarbeiter*innen klare Strukturen, Kollegialität und eine geregelte Freizeit wünschen. Somit haben wir Hebel, an denen wir ansetzen können, um den jeweiligen Arbeitsplatz noch angenehmer zu gestalten. Sie haben in der tegeler Gruppe ebenfalls die Aufgabe des Kulturbeauftragten übernommen. Ihr ehrenamtliches Engagement für den Verein „Klang und Leben“ ist in diesem Zusammenhang sicher ein reicher Erfahrungsschatz. Sie begeben sich mit dementen Menschen auf eine Reise in die Vergangenheit.

Welche Rolle spielt die Musik dabei?
Das stimmt. Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Gemeinsam mit Rainer Schumann, dem Schlagzeuger von „Fury in The Slaughterhouse“, habe ich 2012 den Verein „Klang und Leben“ gegründet. Ich bin von Haus aus begeisterter Hobbymusiker und habe sehr früh bemerkt, dass Musik immer sehr eng mit Erinnerungen und Lebensgeschichten verknüpft ist. Auf der Basis dieser Erkenntnis haben wir eine Band gegründet und eine neue Form des musikalisch-biografischen Arbeitens entwickelt, die heute fester Bestandteil der sozialen Betreuung in den Pflegeheimen ist. Der Schlager der 50er Jahre spielt hier eine wichtige Rolle. Die meisten dementen Menschen verbinden damit schöne Erinnerungen an ihre junge Erwachsenenzeit. „Klang und Leben“ verknüpft die Musik mit den Lebensgeschichten der Betroffenen. Der Schlager öffnet die Schubladen, in denen diese Lebensgeschichten abgelegt wurden.

Welches war die schönste Erfahrung, die Sie im Rahmen Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gemacht haben?
Es gibt viele wunderbare Erlebnisse. Ich habe darüber ein Buch mit dem Titel „Die Demenz kann uns mal“ geschrieben. Die Geschichte, die mir am meisten unter die Haut ging und einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, ist Folgende: Während eines unserer ersten Konzerte wurde eine ältere, sehr schwer erkrankte Dame, in einem Bett liegend, in den Tagesraum gefahren. Von ihren Pflegern und Betreuern wussten wir, dass die Dame einmal Sängerin gewesen war. Während unseres Auftritts, der ca. eine Stunde lang dauerte, sang die Dame jedes Lied mit einem Lächeln im Gesicht mit. Der Raum war von einer wunderbaren, warmherzigen Stimmung erfüllt. Nachdem der letzte Akkord verklungen war, nahm die Dame meine Hand und bedankte sich bei uns für dieses wunderbare Konzert. Als ich am nächsten Tag in der Senioreneinrichtung anrief, um mich noch einmal zu erkundigen, ob unser Auftritt bei den Bewohner*innen gut angekommen war, erfuhr ich, dass die Frau in der Nacht nach unserem Auftritt für immer friedlich eingeschlafen war. Kann es einen schöneren Tod geben? Das Thema Demenz ist von hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Dennoch gibt es viele Ängste und Vorbehalte, sich damit zu beschäftigen.

Wie kann man diesen entgegenwirken?
Indem man so etwas in der eigenen Familie durchlebt hat. Meine Mutter war im Alter schwer krank. Sie litt unter einer seelischen Erkrankung und an einer Erkrankung des Gehirns, die am Ende zu einer völligen Lähmung geführt hätte. Gott sei Dank musste sie diesen Zustand nicht mehr erleben. Während der letzten beiden Lebensjahre wurde meine Mutter dann auch noch zunehmend dement. Der Wunsch meiner Mutter war es, bis zu ihrem Lebensende zu Hause zu bleiben. Da meine Schwester und ich uns nur an Wochenenden um unsere Mutter kümmern konnten, übernahm mein Vater, der selbst krank war, die Pflege meiner Mutter. Somit konnte meine Mutter tatsächlich bis an ihr Lebensende zuhause bleiben. Aber sowohl für meine Mutter, wie auch für meinen Vater waren die letzten Lebensjahre dadurch nur noch schwer zu ertragen. Meine Eltern wollten es so, auch wenn es immer wieder kaum auszuhalten war, wie sehr die beiden unter dieser Situation litten. Die Situation war so anstrengend, dass es auch unter uns Geschwistern ständig Streit dahingehend gab, welche Form der Versorgung wohl die Beste für meine Mutter wäre.

Was raten Sie Angehörigen, die familiär mit Demenz zu tun haben?
Aufgrund der Erfahrungen mit meinen Eltern kann ich nur empfehlen, gründlich darüber nachzudenken, ob die häusliche Versorgung tatsächlich die beste Möglichkeit ist. Ich habe da mittlerweile so meine Zweifel und wünschte mir im Nachhinein, meine Mutter wäre viel eher in ein Seniorenheim gezogen. Das wäre vermutlich für alle Beteiligten in unserer Familie das Beste gewesen. Angehörige sollten keine Schuldgefühle haben, wenn sie über so einen Schritt nachdenken. In der Regel entspannt sich durch diesen Schritt die Gesamtsituation. Es ist völlig normal, dass man ab einem bestimmten Punkt in der häuslichen Pflege völlig überfordert ist. Dafür muss man sich nicht schämen.

Welche künftigen Therapiemöglichkeiten halten Sie für vielversprechend?
Bis heute gibt es keine wirksame medikamentöse Therapie, um die Alzheimerdemenz zu stoppen. Man kann den betroffenen Menschen allerdings ihr Leben erleichtern, indem man ihnen in ihrer Erlebenswelt begegnet. Mit Musik, mit einem Lächeln oder mit einer Berührung. Die zwischenmenschliche Begegnung ist Balsam für die Seele der Betroffenen.

Ebenfalls im März haben Sie den Verein „Gemeinsam statt Einsam e.V.“ gegründet. Welche Idee verfolgen Sie damit genau?
In Deutschland sind Millionen hochbetagter Menschen mit ihren Ängsten, ihren seelischen Nöten und körperlichen Erkrankungen auf sich allein gestellt. Sie haben ihren Lebenspartner verloren, sind kinderlos und in ihrer Mobilität soweit eingeschränkt, dass sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Daran möchte ich etwas ändern, zumindest im kleinen Rahmen. Die Mitglieder und Mitbegründer des Vereins möchten einsamen Menschen Lebensqualität schenken, für einen Moment, für eine Stunde, für einen Tag und das mit der Unterstützung zahlreicher Menschen. Dieses kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Unterhaltung, Lebensfreude, Geborgenheit und menschliche Nähe heißen einige der Zauberworte, mit dem sich der Begriff Lebensqualität füllen lässt. Künstler und Musiker werden regelmäßig auf unterschiedlichen Bühnen auftreten. Können Betroffene Ihre Wohnung nicht mehr verlassen, kann das eigene Wohnzimmer zur Bühne werden. Schwerkranke Menschen lieben häufig die leisen Töne. Manchmal reicht ein Buch, aus dem man vorliest oder das Gefühl, sich einfach geborgen zu fühlen durch die Nähe eines lieben Menschen oder eines Tieres. Die Veranstaltungen sind für die Menschen kostenfrei und werden durch Spenden- und Fördermittel finanziert. Unterstützt wird das Projekt unter anderem auch durch Jens Tegeler, den geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens. Wir hoffen alle, dass wir bald durchstarten können. Drücken wir uns allen die Daumen, dass Corona hoffentlich bald Geschichte ist.